Weißblaues „Grüß Gott“ sogar im Ratssaal

3. Oktober 2014 / in Meldung

Weißblaues "Grüß Gott" sogar im Ratssaal
Die Wiesn waren nah an diesem Einigkeitswochenende, ja sapperlot ganz kruzitürkenfix nah. Jedenfalls weiß man in Unna, was die Stunde geschlagen hat, wenn der Bürgermeister den Haupt- und Finanzausschuss (zweitwichtigstes Entscheidungsgremium nach dem Rat)- mit einem – zugegeben etwas gequält wirkenden – "herzlichen Grüß Gott" eröffnet.
Als braver preußischer Beamter machte sich Werner Kolter den weißblauen Zirkus in seinem Hansestädchen gottlob nicht zu Eigen, gleichwohl das Hallodri in beängstigender Nähe zum Rathaus ausgebrochen war – sozusagen in Brezen-Weitwurfnähe. Dort am Bahnhof stand von Donnerstag bis Sonntag gleich einer Trutzburg wider die preußische Spaßbremsenmentalität das Bayernzelt, das den Unnaern mit johlender Gaudi und klirrenden Maßkrügen zum zweiten Mal nach 2013 die Wiesn ersetzte.
Drei Tage (und Nächte) im weißblauen Rausch. Dafür hatten sich selbst gestandene Sozialdemokratinnen eigens mit Dirndln ausstaffiert, und noch zu durchaus früher Stunde durfte man drinnen im Zelt bei muckeligen 35 Grad kernige Unnaer Mannsbilder in strammen Lederhosen besichtigen, wie sie buchstäblich auf den Tischen Schuhplattler tanzten. Bloß ein knappes Stündchen zuvor hatte sich der Bürgermeister im Ratssaal (sprich: breznweitwurfnah) dazu bemüßigt gefühlt, seinem "herzlichen Grüß Gott" eilfertig eine – verdächtig nach Entschuldigung wirkende – Begründung zuzufügen: "Das Bayrische" sei "seit heute Mittag Amtssprache in Unna". Dem Volkeswille muss ein Bürgermeister Respekt zollen, gut, er muss ihn aber nicht unbedingt immer auch gutheißen und schon gar nicht jeden Zirkus mitmachen. Man vermutet, der Bürgermeister ward am Unnaer Wiesn-Wochenende eher nicht im Bayernzelt gesehen. Im Gegensatz zu Tischen voller SPD-Madel in bester Wiesnstimmung und in feschen Dirndln natürlich.
Immerhin wussten auch die ausgeprägt bayernaffinen Ratsvertreterinnen und -vertreter im Rund, wie man sich im Haupt- und Finanzausschuss zu benehmen und zu kleiden hat: kein Dirndl, keine Lederhose. Dem Hergott sei´s gedankt, wird der Bürgermeister stumm gestoßseufzt haben.