Berichterstattung über den SPD-Neujahrsempfang 2009

12. Januar 2009 / in Pressespiegel

Westf. Rundschau vom 12.01.2009:

Hoffmann und Kolter entpuppen sich als gutes Wahlkampfgespann

Unna. SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann fürs Grobe, Bürgermeister(-kandidat) Werner Kolter fürs Feine – das eigentlich ungleiche Duo entpuppt sich als gutes Wahlkampfgespann für die bevorstehende Kommunalwahl.

Beim SPD-Neujahrsempfang in der Stadthalle kümmerte sich Hoffmann um die provokanten Themen. „Keine Wahlkampfversprechen, auch nicht für Vereine”, sagte Hoffmann, damit am Schluss Kolter den Vereinen „doch noch” zusichern konnte, dass es keine Gebühren für die Benutzung der Sportanlagen geben wird.

Die Diskussion um die Frauenquote, die letztendlich für Hoffmanns Scheitern seiner Kreistags-Kandidatur verantwortlich war, nahm er zum Anlass, um „mehr Männer als Frauen” beim Empfang zu begrüßen. Den Radfahrern sicherte Hoffmann zu, dass sie „keine Hütte” als Radstation am Bahnhof bekommen. Und sichtlich erfreut begrüßte der Fraktionsvorsitzende alle ehemaligen Bürgermeister der Stadt, unter ihnen auch Volker W. Weidner, der Donnerstag aus der CDU ausgetreten und bei der SPD nun ein begehrter Gesprächspartner war.

Kolter selbst gab sich in seiner Rede ganz staatsmännisch. Seitenhiebe teilte er gegen die Bundes- und Landesregierung aus. Lokalpolitisch zählte Kolter „Ansiedlungserfolge” auf und erinnerte daran, dass die Stadt seit 2004 ohne Netto-Neuverschuldung auskomme. In all seinen Ausführungen, sei es Bildung, Verkehrspolitik oder Dehne fiel bei Kolter nicht einmal das Wort „ich”. Vielmehr bezog er die Bürger und alle politischen Kräfte ein. Auf einer Leinwand hinter dem Rednerpult lief derweil eine Bilderstrecke, die Kolter mit Kindern, in Schulen und nah bei den Bürgern zeigte.

Von Lars Reckermann

Hellweger Anzeiger vom 12.01.2009:

Kolter-Show zum Start in den Wahlkampf"
Bürgemeister kündigt Beteiligung an Konjunkturprogramm an

Das Treffen in der Stadthalle mit Hunderten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wurde durch die kämpferische 35-Minuten-Rede des SPD-Spitzenkandidaten zur Kolter-Show. Auf einer Leinwand hinter dem Redner erschienen Fotos, die den 59-Jährigen bei öffentlichen Auftritten als bürgernahen Politiker zeigten.

Wirtschaft, Bildung und soziale Gerechtigkeit – das sind für den Amtsinhaber die Schwerpunktthemen. Die Wirtschaft in der Krise stärken, das Schulsystem vor allem beim Ganztag ausbauen und Arbeitslose, Zuwanderer sowie Bedürftige mit gemeinsamer bürgerschaftlicher Anstrengung in die Gesellschaft integrieren – das sind Kolters Leitlinien.

Der Bürgermeister nutzte den inoffiziellen Wahlkampfauftakt, um ohnehin vorgesehene städtische Investitionen als Konjunkturprogramm zu verkaufen. Durch einen positiven Jahresabschluss 2008 und ein Rekord-Gewerbesteuerergebnis sei die Stadt in der Lage, sich an den angekündigten Konjunkturprogrammen von Bund und Land zu beteiligen. Infrastruktur-Investitionen – gemeint war wohl die Umgestaltung des Busbahnhofs – könnten vorgezogen werden.

Für den Ausbau der Bildungsangebote will der Bürgermeister notfalls sogar das Tempo bei der Haushaltskonsolidierung verringern. „Bildungsinvestitionen gehen vor Schuldenabbau“, sagte Kolter. In Zukunft werden nach seiner Einschätzung mehr als ein Viertel der Schüler Ganztagsangebote nutzen.

Die lokale Wirtschaft braucht nach Ansicht des Bürgermeisters eine engere Anbindung an die Wissenschaft – so wie Dortmund vom Wissenstransfer seiner Hochschulen profitiere. „Die haben uns nicht ausgeblendet, aber wir haben uns nicht genug gemeldet“, bemängelte er.

Mit einem Bekenntnis zur guten Zusammenarbeit mit der SPD-Ratsmannschaft beschloss Kolter seine programmatische Rede. „Ich biete an, weiter mit ihr vertrauensvoll zusammenzuarbeiten“, sagte er. 11 Frauen und 12 Männer ziehen für die Sozialdemokraten als Ratsbewerber in den Kommunalwahlkampf.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Hoffmann hatte zu Beginn des Neujahrsempfangs die Lacher auf seiner Seite, als er „leider mehr Männer als Frauen“ im Saal begrüßte. Das war eine Anspielung auf seine missglückte Kreistagskandidatur, die unter anderem wegen Querelen um die SPD-Frauenquote gescheitert war.

Unter die Gäste des Empfangs mischte sich auch Vize-Bürgermeister Werner Porzybot (CDU) – Kolters Namensvetter und Herausforderer bei der Bürgermeisterwahl am 7. Juni 2009. Er hörte, wie der Führungsanspruch Kolters vom Fraktionschef verbal untermauert wurde: „Werner war‘s, Werner bleibt‘s, Werner wird‘s erneut – und der andere Werner wird von der SPD als Vize-Bürgermeister wiedergewählt.“

Von Carsten Fischer